Pressemitteilung des BUND LV Hessen und der AVN

AVN: Molche taugen nicht als Sündenbock PresseübersichtFeinstaubmessung an der B7 sinnvoll – Wann kommt die Sperrung für durchfahrende LKW?

Frankfurt, 16.02.2005

Werra-Meißner-Kreis
LKW-Durchfahrverbot jetzt!
BUND und AVN kritisieren Untätigkeit der hessischen Landesregierung

„Entlastung jetzt – statt Warten auf die A 44“ – fordern der BUND Landes-verband Hessen und die Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN).

Entgegen der Auffassung des zuständigen Regierungspräsidiums in Kassel sind die verkehrsbedingten Lärm- und Luftbelastungen in den Ortschaften entlang der Bundesstraßen 7 / 27 / 400 im Werra-Meißner-Kreis so groß, dass eine rechtliche Handhabe besteht, ein ganztägiges Durchfahrverbot für LKW anzuordnen. Von den beiden Organisationen in Auftrag gegebene Gutachten belegen dies eindeutig.

Die Anwohner der nordhessischen Bundesstraßen 7 / 27 / 400 leiden seit Jahren unter der hohen Verkehrsbelastung. So durchfuhren im Jahr 2000 den Ortsteil Fürstenhagen von Hessisch-Lichtenau (Werra Meißner-Kreis) nach der Verkehrsmengenkarte Hessen 3.721 LKW pro Tag bei 16.212 Kfz insgesamt (LKW-Anteil > 3,5 t 23 %).

Eine Verlagerung der durchfahrenden LKW auf die Autobahnen A 7 und A 4 würde die Bevölkerung sofort spürbar entlasten.
Der BUND hatte deshalb im Jahr 2002 die Anordnung eines ganztägigen Durchfahrverbotes für LKW ab 2,8 t auf den Bundesstraßen B7/B27/B400 zur Entlastung der Anwohner vor Lärm und Abgasen gefordert. Das Regierungspräsidium Kassel kam nach Auswertung von zwei von ihm in Auftrag gegebenen Gutachten zu dem Ergebnis, dass ein Durchfahrverbot nicht angewendet werden dürfe.

Nach eingehender Prüfung der RP-Gutachten und Einholung eigener Sachverständigengutachten widersprechen BUND und AVN der Auffassung des Regierungspräsidiums da die RP-Unterlagen nicht geeignet sind, die Nicht-Anordnung eines Durchfahrverbotes zu begründen.

So ergeben die von BUND und AVN vorgelegten Gutachten, dass bereits die Ermittlung der durchfahrenden LKW von Kassel bis Eisenach fehlerhaft ist. Die vom RP angegebenen 1.100 LKW beruhen auf dem Stand von 1993. Aufgrund aktueller Erhebungen des Landes Hessen sind mindestens 2.000 LKW zu Grunde zu legen. Das sind umgerechnet durchschnittlich 125 LKW pro Stunde. Desweiteren wurden Laster unter 3,5 t unzulässigerweise nicht miteingerechnet.
Ausgerechnet für die am höchsten belasteten Ortsdurchfahrten Oetmannshausen und Wichmannshausen wurden keine Aussagen getroffen.

Bei der Lärmbelastung wurden vom RP zu hohe Grenzwerte angesetzt. Zur Reduzierung u.a. des Herzinfaktrisikos fordert das Umweltbundesamt eine nicht höhere Belastung als 65 db(A) tags und 55 dB(A) nachts, die gesetzlichen Grenzwerte liegen bei 70 bzw. 75 db(A).

Angesichts der hohen Verkehrsbelastung ist davon auszugehen, dass die ab dem 01.01.2005 EU-weit geltenden Immissionsgrenzwerte für Staubpartikel (PM 10) und Stickstoffoxide überschritten werden. Unter Berücksichtigung der örtlichen geographischen Situation (Tallage) ist bereits mit einer hohen Vorbelastung zu rechnen.

Desweiteren sind durch den RP die besonderen Unfallgefahren, die sich durch den hohen Laster-Anteil ergeben, nicht ermittelt worden.

Bei deutlich geringeren LKW-Anteilen an der Gesamtverkehrsbelastung können nach den Ergebnissen der Gutachten von BUND und AVN voraussichtlich alle Lärm- und Schadstoffgrenzwerte eingehalten werden. Für Fürstenhagen würde dies eine Reduzierung um 2.000 LKW (!) am Tag bedeuten, der Anteil der LKW am Gesamtverkehr würde auf 12 % sinken.

„Falsche Zahlen, Vermutungen und Fehleinschätzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die RP-Unterlagen. Im Konflikt Anwohnerschutz versus LKW-Spediteure entscheidet sich die Landesregierung bislang gegen den Schutz der Menschen.“ , so Klaus Schotte, Sprecher der AVN.

BUND und AVN fordern nunmehr ein konsequentes Handeln zur schnellen Entlastung der Menschen entlang der Bundesstraßen.


Rückfragen bitte an:
Klaus Schotte, Sprecher Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN),
Tel. 0561-878384

 

Presseübersicht zur Presseübersicht
30.11.2004
AVN: Molche taugen nicht als Sündenbock
09.04.2005
Feinstaubmessung an der B7 sinnvoll – Wann kommt die Sperrung für durchfahrende LKW?


URL dieser Seite: http://avn.cooltips.de/pm.php?id=200502161108597504 (ehr edit)