Pressemitteilung von ROBIN WOOD

LKW sind weg – Wozu brauchen wir die A44? PresseübersichtLKW-Durchfahrverbot auf B7 und B27 im Werra-Meißner-Kreis muss weiter gelten

Kassel, 05.10.2005


Große Koalition der Betonpolitiker für die A44
ROBIN WOOD-AktivistInnen protestieren gegen die geplante neue Autobahn zwischen Kassel und Eisenach

"Stopp A44 – Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten" – so steht es auf dem Transparent, das ROBIN WOOD-AktivistInnen heute Mittag über dem Portal des Tunnels Hopfenberg-Ost im hessischen Örtchen Walburg entrollten. Sie protestieren damit gegen die große Koalition der Betonpolitiker in CDU und SPD, die in der Verkehrspolitik bereits praktiziert wird. Denn zur gleichen Zeit gaben dort der hessische Ministerpräsident Roland Koch und sein Wirtschaftsminister Alois Rhiel gemeinsam mit Bundesfinanzminister Hans Eichel die Ortsumfahrung Walburg als erstes Teilstück der Autobahn 44 für den Verkehr frei. Die geplante Autobahn, ein Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, soll von Kassel nach Eisenach führen.

ROBIN WOOD fordert, es bei der Ortsumfahrung zu belassen und die weiteren Planungen für die A44 aufzugeben. Denn die Region verfügt bereits über ein dichtes Autobahnnetz. Die zusätzliche Verbindung hätte allein den Zweck, eine Abkürzungsstrecke zwischen A7 und A4 für den Transitverkehr zu schaffen. Dafür sollen mindestens 1,3 Milliarden Euro Steuergelder verbaut werden. Auf einer Strecke von 65 Kilometer würde Landschaft asphaltiert, sieben europäische Naturschutzgebiete würden dabei in Mitleidenschaft gezogen.

Die A44 soll zwischen Kassel und dem thüringischen Wommen parallel zur Bundesstraße 7 verlaufen. Auf der B 7 hat der hessische Wirtschaftsminister Rhiel erst im August dieses Jahres - auf Druck von AnwohnerInnen, Verkehrsinitiativen und Umweltverbänden, darunter ROBIN WOOD - ein LKW-Durchfahrverbot angeordnet. Die AnwohnerInnen der Bundesstraße sind also bereits vom LKW-Durchgangsverkehr entlastet und brauchen dafür keine Autobahn.

Eine staatliche Förderung des LKW-Transits durch den Neubau der Abkürzungs-Autobahn A44 ist umweltpolitisch nicht zu vertreten. Der Güterverkehr auf deutschen Straßen stieg von 1991 bis 2002 um rund 45 Prozent. Dadurch hat der Schadstoffausstoß stark zugenommen. Zwei Drittel der verkehrsbedingten Stickstoff-Emissionen, mitverantwortlich für das Waldsterben, stammen aus den Auspuffrohren der LKW. Dazu kommen krebserregender Dieselruß und das Treibhausgas Kohlendioxid. Prognosen gehen von einer weiteren starken Zunahme des Güterverkehrs im Zuge der EU-Osterweiterung aus. Straßenbauprojekte wie die Abkürzungsautobahn A 44 machen es für Unternehmen billiger und damit attraktiver, Güter zwischen Polen, Tschechien und Westeuropa auf der Straße zu transportieren - mit ökologisch fatalen Folgen.

„Wer jetzt eine neue Autobahn baut, zieht mehr Straßenverkehr an. Der massenhafte Güterverkehr aber wird auf der Straße nicht zu bewältigen sein, ohne dass die Gesundheit der Menschen in der Region darunter leidet, Natur zerstört und das Klima belastet wird“, sagt Verkehrsreferentin Monika Lege. „Wir fordern die Herren Koch, Rhiel und Eichel auf, aus der großen Koalition der Betonpolitiker auszuscheren. Das Durchfahrverbot ist ein guter Anfang und muss auf jeden Fall beibehalten werden. Wir brauchen nicht mehr Straßen, sondern eine Verkehrswende: Güter runter von den Straßen und rauf auf die Schiene.“

Als nächstes soll der naturschutzrechtlich äußerst problematische Abschnitt Hessisch Lichtenau westlich von Walburg gebaut werden. Hier hatte das Bundesverwaltungsgericht 2002 einen Baustopp verfügt - wegen erheblicher Eingriffe in das nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützte Gebiet Lichtenauer Höhe. Noch in diesem Jahr wird ein neuer Planfeststellungsbeschluss erwartet. ROBIN WOOD fordert, diese Planung aufzugeben und ein Konzept vorzulegen, wie der Güterverkehr verringert und auf die Schiene verlagert werden kann.


Rückfragen bitte an:
Klaus Schotte, ROBIN WOOD Kassel, Tel. 0561-878384
Monika Lege, Verkehrsreferentin, Tel. 040 / 380 892 12
Ute Bertrand, Pressesprecherin, Tel. 040 / 380 892 22

 

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