Pressemitteilung

"Abschreckendes Beispiel für die Sturheit der Politik" PresseübersichtLandschaft erhalten – Verkehrsprobleme lösen

Kassel, 22.02.2006

A44-Abschnitt Hess. Lichtenau
A44 hilft Nordhessen nicht weiter
AVN unterstützt BUND-Klage gegen Planfeststellungsbeschluss

Die Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen begrüßt die Entscheidung des BUND Hessen gegen den vorliegenden Planfeststellungsbeschluss (PFB) eine Klage einzureichen. "Die A 44 hilft Nordhessen nicht weiter", bekräftigt Klaus Schotte die Haltung der nordhessischen Verkehrsinitiativen und Umweltverbände, die sich bereits vor 15 Jahren in der Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN) zusammengeschlossen haben. Statt auf einen Straßenbau zur Befriedigung des überregionalen Transitverkehrs vom Atlantik in die östlichen Beitrittsländer der EU zu setzen, sollte die Region besser ihre landschaftlichen Stärken nutzen und den Tourismus ankurbeln.

"Der Planfeststellungsbeschluss zeigt, dass die Rechtfertigung für die A 44 nach wie vor auf wackligen Füßen steht", so AVN-Sprecher Klaus Schotte zum vorgelegten PFB. Deutliche Mängel wiesen die Verkehrsdaten auf. Die Planrechtfertigung beziehe sich auf Grundlagen von 1992, obwohl die Verkehrsmenge danach deutlich zurückgegangen ist. Zudem sei das seit August 2005 geltende LKW-Durchfahrverbot unberücksichtigt geblieben. Die damit schon wirksame, spürbare Entlastung der Bundesstraßenanwohner finde sich nicht wieder. Eine weitere Reduzierung des Verkehrs auf der Straße bringe die gerade eingeweihte Lossetalbahn. Beide Maßnahmen wurden maßgeblich von der AVN gefordert und unterstützt.

Auch ein Blick in die Zukunft bestätigt die sinkende Verkehrsnachfrage. Für den Werra-Meißner-Kreis werden vom Hessischen Statistischen Landesamt die höchsten Bevölkerungsrückgänge für ganz Hessen vorhergesagt (minus knapp 10 % bis zum Jahr 2020, sogar minus 30 % bis 2050). Auch im benachbarten Thüringen wird eine ähnliche Entwicklung erwartet. Die positiven Bespiele des Biosphärenreservates Rhön oder des Nationalparks Kellerwald zeigen, dass eine herausragende Landschaft auch wirtschaftliche Möglichkeiten beinhalte. Dieses Potenzial würde die A 44 in weiten Bereichen zerstören. Im Ergebnis, so die AVN, bleibe lediglich die Transitfunktion der A 44, die den Menschen jedoch nur Lärm und Abgase, aber keine Zukunftsperspektive bringe. Für die AVN sei klar, dass aus regionaler Sicht alle maßgeblichen Argumente gegen Bau der A44 sprächen. LKW-Durchfahrtsverbot, Ortsumgehungen und ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr sorgten für mehr Ruhe und Sicherheit, ohne die touristischen Qualitäten zu zerstören. Ein regionales Verkehrs- und Entwicklungskonzept sei das notwendige und wirksame Programm für nachhaltige Arbeitsplätze.

Die AVN weist daraufhin, dass sich im Gesamtkorridor von Kassel bis Wommen sieben europäische Naturschutzgebiete befinden, darunter das Schutzgebiet für die bedeutendsten Fledermausquartiere in Hessen. Die vom Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG) angemahnte ökologische Gesamtbewertung der A 44 Trasse liegt bis heute nicht vor.

Hintergrund Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN):

Die AVN ist ein überregionaler Zusammenschluss von ca. 25 Initiativen und Umweltverbänden. Sie wurde bereits 1991 mit dem Ziel gegründet, Alternativen zum Bau der A44 Kassel – Wommen aufzuzeigen. Von Beginn an wurde ein LKW-Nachtfahrverbot auf den betroffenen Bundesstraßen 7 / 27 / 400 gefordert. 1995 wurde es seitens der Hess. Landesregierung erlassen. Auch der Einsatz für ein ganztägiges LKW-Durchfahrverbot wurde im August 2005 von Erfolg gekrönt, als der hess. Wirtschaftsminister Alois Riehl die entsprechende Beschilderung enthüllte. Im Januar 2006 wurde der letzte Abschnitt der Lossetalbahn von Kassel nach Hess. Lichtenau eingeweiht – ebenfalls Bestandteil des AVN-Konzeptes aus dem Jahr 1991. Weitere (noch immer aktuelle) Forderungen: leistungsfähige Mitte-Deutschland-Verbindung im Fernverkehr, Reaktivierung Bahnstrecke Kassel - Hess. Lichtenau - Eschwege, Ausbau des ÖPNV in der Fläche. Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen wurden die Forderungen immer wieder öffentlich gemacht.

1992 wurde von der AVN eine Klagegemeinschaft gegen die A44 gegründet, um im Bedarfsfall auch juristische Möglichkeiten zu nutzen. Die BUND-Klage wird von der AVN unterstützt.

Mitglieder der AVN:
BI "Rettet die Söhre", VCD Kreisverband Kassel, ADFC Landesverband Hessen, BUND Kreisverbände Kassel und Werra-Meißner, Bündnis 90/Die Grünen Werra-Meißner, Kaufunger BI gegen A44, Alternative Liste Hess. Lichtenau (ALH), ROBIN WOOD Kassel, BI "Waldkappel ohne A44!", BI Herleshausen, Grüne Liste Helsa, zahlreiche Einzelpersonen und weitere Gruppen


Für Rückfragen:
Klaus Schotte, AVN-Sprecher,
Tel. 0561 / 87 83 84,
mobil: 0160 / 88 38 238

 

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23.05.2006
Landschaft erhalten – Verkehrsprobleme lösen


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