Offener Brief von VCD-Hessen und AVN an den NVV-Aufsichtsrat

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Kassel, 06.07.2006


Plädoyer für einen starken und zukunftsfähigen öffentlichen Verkehr in Nordhessen – keine Kürzungen!

Der VCD Landesverband Hessen und die Aktionsgemeinschaft Verkehr Nordhessen (AVN) appellieren an Sie als Mitglied des NVV-Aufsichtsrates, den anstehenden Streichungen im öffentlichen Nahverkehr nicht zuzustimmen. Die Auswirkungen wären dramatisch. Wir begründen unsere Besorgnis wie folgt:

  • Die positive Entwicklung des NVV wäre jäh gestoppt. Es droht eine Abwärtsspirale im öffentlichen Nahverkehr, wie wir sie bereits aus den 70er und 80er Jahren kennen.
  • Das Schienennetz ist unverzichtbarer Teil der zukunftsfähigen Infrastruktur für Nordhessen! Insbesondere zur Erschließung der Naherholungsgebiete und des Natur- und Nationalparks Kellerwald-Edersee ist die Schiene eine Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Tourismus- und Regionalentwicklung. Bedenken Sie bitte, dass gerade aus diesem Grund die Reaktivierung Korbach-Frankenberg im August 2005 vertraglich beschlossen wurde, um Menschen aus den Räumen Rhein-Main und Ruhrgebiet in das Waldecker Land zu bringen.
  • Aber auch das Eschwege-Projekt zur Anbindung an das überregionale Bahnnetz ist attraktiv für die Fahrgäste und eine weitere mögliche Standortentwicklung für die Kreisstadt. Gleiches gilt für das international hoch geachtete RegioTram-Projekt, das manchmal zu Unrecht in Nordhessen schlecht geredet wird.
  • Mehrere hundert Arbeitsplätze sind gefährdet! Konkret sind 180 Menschen vom Verlust ihrer Arbeitsplätze bedroht, wenn die Streckenreaktivierung Frankenberg – Korbach unterbleibt. Ohne diesen Lückenschluss ist kein wirtschaftlicher Betrieb bei der KHB gewährleistet. Weitere 70 Menschen können vielleicht nicht mehr ihre Fähigkeiten im Rahmen der Bahnstationsunterhaltung unter Beweis stellen.
  • Doppelte Strafe für den NVV: Neben der massiven Kürzung der Regionalisierungsmittel wird bei der Umsetzung der NVV-Streichliste Schadensersatzleistungen fällig. Denn es müssen Verkehrsleistungen abbestellt werden, die bereits vertraglich zugesichert sind. Dies kann wiederum zu Folgestreichungen führen, um die finanziellen Ausfälle zu „kompensieren“.
  • Der Investitionsstau im Schienennetz bleibt an einigen Strecken weiter bestehen. Das Angebot wird ausgedünnt und über kurz oder lang ganz eingestellt. Dies gilt insbesondere für den Stich Wabern - Bad Wildungen und Marburg-Frankenberg.
  • Fast 20 Prozent Fahrpreiserhöhungen in den nächsten vier Jahren werden nicht zu einem besseren Image des ÖV beitragen. Gerade in Zeiten hoher Benzinpreise steigen viele Menschen auf Bus und Bahn um, eine Fahrpreisanhebung wäre hier absolut kontraproduktiv.
Setzen Sie sich für eine langfristige Sicherung und den Ausbau des ÖPNV in Nordhessen ein! Kurhessenbahn, EIB und das beispielhafte RegioTram-Projekt sind Erfolgsstories der Mobilität in Nordhessen! Sie haben zu einem guten Image des ÖV und zu teilweise sehr guten Fahrgaststeigerungen beigetragen (bspw. die Kurhessenbahn bis zu 34 Prozent in vier Jahren). Wir bitten Sie als Verantwortliche, weiterhin einen zukunftsfähigen Nah- und Regionalverkehr zu gewährleisten! Hier sind Kommunen, Landkreise und insbesondere das Land Hessen gefordert, das sich für die Streichung der Regionalisierungsmittel im Tausch für die Mehrwertsteuererhöhung eingesetzt hat. VCD und AVN fordern einen Ausgleich der Mittelkürzung aus den zu erwartenden Mehreinnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung.


Mit freundlichen Grüßen


Guido Spohr      Klaus Schotte



Für Rückfragen:
Guido Spohr, Geschäftsführer VCD Hessen, Tel. 0561 - 10 83 10
www.vcd.org/hessen
Klaus Schotte, AVN-Sprecher, Tel. 0561 - 87 83 84

 

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23.05.2006
Landschaft erhalten – Verkehrsprobleme lösen
12.07.2006
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